Zuhause Lernen

ZuhauseLernen

(Disclaimer: mein Wissen beruht auf jahrelanger Arbeit in der Hausaufgabenbetreuung, meiner beruflichen Tätigkeit in einem Grundschulhort, und der Fachoberschule Sozialpädagogik und meinem Studium in der Sozialen Arbeit – trotzallem gebe ich keine Garantie für eine 100% Richtigkeit der Tipps, denn jede persönliche Situation sieht anders aus und so muss jede*r den Weg finden, der am Besten zu ihm/ihr passt. Allerdings hoffe ich, zumindest ein wenig dabei helfen zu können. Des Weiteren sind alle gesetzten Link keine Affiliate Links, sie dienen lediglich dem schnelleren Zugriff und sollen euch Zeit ersparen!)

Lernen ist harte Arbeit. Nicht umsonst geht es in der Schule immer wieder um das “Lernen lernen”, denn die Arten und Weisen, mit denen wir uns neues Wissen aneignen und verinnerlichen, sind vielfältig und eine mentale Höchstleistung. Sich dessen bewusst zu werden ist ein bedeutender Schritt, wenn man verstehen möchte, weshalb es gerade in diesem Bereich immer wieder zu Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen kommt.

Lernen funktionert am Besten, wenn wir uns Inhalte selbst, praktisch und mit allen Sinnen erschließen können. Viele Schulen setzen das mittlerweile wunderbar um, aber es gibt eben immer auch den schriftlichen Teil, der nur begrenzt praktische Erfahrungen zulässt. Deswegen möchte ich jede und jeden dazu ermutigen, praktischen Erfahrungen mehr Raum zu geben, denn egal ob gemeinsames Backen, Lesen, Kochen, Einkaufen gehen – Lernen kann und wird man immer und überall!

Und: Lernen funktioniert am Besten durch intrinsische Motivation – also durch einen inneren Antrieb. Das bedeutet, dass Kinder (und auch Erwachsene) viel besser und nachhaltiger Lernen, wenn der Wille hierfür aus ihnen selbst heraus kommt. Auch das ist nicht immer zu 100% möglich und auch damit müssen Kinder erst einmal lernen umzugehen, denn unser Schulsystem ist, so sehr sich Pädagog*innen bemühen, niemals zu 100% auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes angepasst, das heißt es wird zwangsläufig Themen geben, deren Sinn und Zweck sich einem Kind nicht erschließt und die sich einfach nicht mit den eigenen Interessen decken.
In diesen Fällen bin ich dann immer sehr ehrlich mit den Kindern und bestätige sie in ihrem Empfinden, denn es ist niemandem geholfen, wenn ich ihnen vorgaukel, dass bestimmte Dinge irgendwann einmal super hilfreich sein werden. Im Gegenzug erläutere ich ihnen aber auch, warum manche Inhalte durchaus sinnvoll sind, da späteres Wissen auf ihnen aufgebaut wird.

Also: Motivation ist ein schwieriges Thema. Ehrlich. Nicht immer kommt Motivation von innen heraus – das ist okay. Auch ich gehe manchmal den Weg des “Arschbacken-Zusammenkneifens” – das ist sicherlich nicht 100% pädagogisch wertvoll. Muss es auch nicht. In den Fällen bin ich dann tatsächlich eine Vertreterin von “Das Leben ist kein Ponyhof” – man möge mich dafür steinigen, aber zumindest gehe ich diesen Weg niemals gewaltsam und setze mich darüber hinweg, wenn ein Kind ehrlich Schwierigkeiten hat, oder generell überfordert, überlastet oder einfach nur erschöpft ist.

Vorbereitung/Rahmenbedingungen:

  • Jedes Kind lernt zu unterschiedlichen Zeiten am Besten. Wichtig ist hierbei jedoch ein fester Zeitraum, der täglich eingehalten wird. Routine ist hierbei der Schlüssel (und wenn es nicht immer nach Zeitplan klappt, ist es auch nicht tragisch – jede*r gibt sein/ihr Bestes)
  • Es ist sinnvoll, nicht direkt nach dem Mittagessen mit den Schulaufgaben zu beginnen. Im Hort gibt es erst Mittagessen, dann 30-45 Minuten Bewegung draußen (bzw. bei sehr schlechtem Wetter in der Turnhalle), ehe es an die Hausaufgaben geht. So bekommen die Kinder einen freien Kopf und können sich körperlich etwas auspowern, bevor sie sich konzentrieren müssen
  • Eine ablenkungsfreie Umgebung ist wichtig (zumindest bei den meisten Kindern, es gibt jedoch durchaus Ausnahmen), Spielzeug und Co. lenken zu sehr ab
  • die meisten Kinder können sich insgesamt (auch mit Pausen) nicht länger als 60 Minuten konzentrieren, in der 1. Klasse sind es eher 20-30 Minuten insgesamt, bevor die Luft raus ist (gegen Ende der 4. Klasse arbeiten einige Kinder auch mal länger als 60 Minuten konzentriert –  dann aber immer eigenmotiviert, denn wir fordern nie mehr als 1 Stunde Arbeit insgesamt)

Konzentrationsspanne bei Kindern + Lernpausen:

Die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne von Kindern und Jugendlichen beträgt bei

  • 5-7 Jährigen: durchschnittlich 15 Minuten
  • 7-10 Jährigen: durchschnittlich 20 Minuten
  • 10-12 Jährigen: durchschnittlich 20-25 Minuten
  • 12-14 Jährigen: durchschnittlich 30 Minuten

Daraus lässt sich schließen, dass Kinder im Grundschulalter (und darüber hinaus) nach spätestens 30 Minuten eine Pause benötigen, um überhaupt wieder aufnahmefähig sein zu können.
In der Schule füllen wir diese Pausen gerne mit kleinen Sportübungen (Hampelmänner, Körper ausschütteln, Mini-Tanzparty mit Bewegungsliedern), allerdings tragen auch Achtsamkeitsübungen zur Entspannung bei. Zum Beispiel kann man die Fingerspitzen aneinanderpressen und für einen Moment seine ganze Kraft (ohne Gewalt) in die Fingerspitzen fließen lassen und diese Spannung bewusst wahrnehmen, ehe man dann bewusst entspannt und merkt, wie die Muskeln sich wieder lockern.
Es bietet sich auch an, das Fenster für einen Moment zu öffnen (das ist ohnehin immer eine gute Idee, um genügend Sauerstoff im Raum zu haben), und dann für eine Minute die Augen zu schließen und zu lauschen, was man alles hören und wahrnehmen kann. Kitzelt die Sonne auf der Haut? Oder der Wind? Gibt es irgendwo eine Baustelle? Eine Fahrradklingel? Höre ich Blätter, Vögel, Kinderlachen? Der Austausch hinterher ist in jedem Fall sehr spannend und hilft einem dabei, für einen Moment innezuhalten.
Natürlich können und dürfen die Pausen in jedem Fall so gestaltet werden, wie es am besten zum Kind passt und es bietet sich an, verschiedene Dinge auszuprobieren!

Weitere Möglichkeiten finden sich im Buch “Stressbewältigung für Kinder und Jugendliche” (siehe Quellen). Es ist mir selbst erst während der Recherche begegnet, aber beim Durchblättern fand ich es echt ziemlich gut!

Selbstdisziplin/Selbstorganisation:

Selbstdisziplin und Selbstorganisation sind zwei Dinge, die wir den Kindern ab der 1. Klasse mit auf den Weg geben, gerade im Bereich der Hausaufgaben. Das ist natürlich nicht immer einfach und nur die wenigsten Kinder sind “Naturtalente” – und das müssen sie auch gar nicht sein. Ich setze mich mit jedem Kind auseinander und schaue, wo genau die Schwierigkeiten liegen und welche Strukturen und Hilfsmittel es benötigt, um sich selbst zu organisieren und bei der Sache zu bleiben. Das Stichwort hier heißt “Ausdauer”. Wenn wir einmal überlegen, wie schwierig es uns mitunter fällt, uns selbst zu organisieren und diszipliniert zu arbeiten, dann ist es für Kinder vermutlich umso schwieriger.

Deswegen schaffen wir eine Umgebung, die feste Routinen zulässt, sodass jedes Kind einen sicheren, angeleiteten Rahmen erfährt, in dem es sich selbst entfalten und organisieren kann.
Das heißt im Klartext: die Kinder wissen, wann es Zeit zum Arbeiten ist, wie lange diese Arbeitsphase dauert und welche Regeln es gibt. Diese Dinge sind klar und verlässlich, was dazu führt, dass sie nicht jeden Tag aufs Neue in Frage gestellt werden müssen (wenngleich ich gerne in Erinnerung rufe, weshalb es sinnvoll ist, gewisse Strukturen zu haben – denn Kinder sind sehr von der Sinnhaftigkeit von Dingen abhängig und das ist vollkommen normal).

Es ist sinnvoll, mit dem Kind die anstehenden Aufgaben durchzugehen und zu schauen, innerhalb welchen Zeitraumes sie erledigt werden müssen. Aufgaben, die am selben Tag erledigt werden müssen, dürfen die Kinder sich beliebig anordnen (z.b. zuerst Mathe, dann Deutsch, etc.), Aufgaben, die über einen längeren Zeitraum erledigt werden müssen, werden in kleinere Portionen aufgeteilt – hierbeit ist es sinnvoll, Hilfestellung zu leisten, denn das Einschätzen solcher Aufgaben ist extrem schwierig und will gelernt werden. Die Faustregel bei uns ist: Jeden Tag ein bisschen – und wenn es nur 10 Minuten sind.

Es kann aber auch durchaus mal passieren, dass Kinder bei einer Aufgabe eine Blockade erreichen, die unüberwindbar scheint. In dem Fall: Nicht mit aller Gewalt das Beenden der Aufgabe erzwingen. Manchmal hilft es, erst einmal andere Aufgaben zu erledigen, manchmal braucht es tatsächlich ein paar Stunden Abstand – und das ist okay! Kein Mensch ist dazu in der Lage, unter Zwang und Druck zu lernen und im schlimmsten Fall führt das in Zukunft zu noch schwerwiegenderen Blockaden und Ängsten und diese gilt es zu vermeiden.

Wenn eine Aufgabe gar nicht verstanden wird, kann man immer nochmal bei der Lehrkraft nachfragen. Oder bei anderen Eltern. Oder sogar im Internet (Tessa von @minneandme postet z.B. immer mal wieder solche Hilferufe – und das ist echt ziemlich effizient). Und manchmal hilft es auch, alternative Lernmethoden auszuprobieren, wenn der klassische Weg nicht funktioniert. Ich bin ohnehin eine Verfechterin des praktischen Lernens, deswegen stelle ich im Folgenden einige Hilfsmittel vor.

Hilfsmittel:

  • Wendeplättchen sind super für das erste Rechnen und ein Relikt aus meiner eigenen Schulzeit – und die Kinder freuen sich heute noch, wenn sie damit arbeiten dürfen (und teuer sind sie auch nicht)
  • Geldmünzen (klingt einleuchtend, aber tätsachlich erlebe ich immer wieder Kinder, die nicht mit Geld rechnen können, weil sie nie wirklich Münzen gesehen haben)
  • Steine (gerne selbst sammeln), Murmeln, Bauklötze, Nudeln 😉  – Quantitäten lassen sich am besten erschließen, wenn sie durch unterschiedliche Materialien vermittelt werden
  • Hier habe ich einige kreative Matheübungen + Spiele gesammelt: Pinterest
  • Anlautkreis/Tabelle: Ich persönlich finde den Anlautkreis von Fara & Fu am Besten, die kostenlose Version zum Download von Klett ist allerdings auch super
  • Allgemein hat der Klett Verlag einige tolle Downloads, die sich auch nach Klassenstufe und Unterrichtsfach filtern lassen

Nun ist dieser Post doch länger und umfangreicher geworden, als erwartet, aber ich hoffe, es waren einige hilfreiche Einblicke und Tipps dabei – falls doch noch Fragen offengeblieben sind, dürfen sie natürlich gestellt werden und ich werde versuchen, sie zu beantworten 🙂

PS: Ich betreibe diesen Blog in meiner Freizeit neben meinem Studium und meinem Job im Hort – über eine kleine “Spende” würde ich mich freuen (für diesen Post habe ich rund 4-5 Stunden benötigt), aber es gibt natürlich keinen Zwang: PayPal

PPS: Und JA, auch ich arbeite manchmal extrem pädagogisch wertvoll mit Bestechung – es kommt wirklich extrem selten vor, aber es hat schon so manche aussichtslose Situation gerettet. Fühlt euch also nicht schlecht, wenn ihr manchmal auf diese Methode zurückgreift 😉

Quellen:

Kohler, Britta (2017): Hausaufgaben: Überblick und Praxishilfen. Beltz Verlag.
Lohaus, Arnold (2007): Stressbewältigung für Kinder und Jugendliche. Springer Verlag.
Stangl, W. (2020). Stichwort: ‘Konzentrationsspanne’. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik. https://lexikon.stangl.eu/6553/konzentrationsspanne/

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